06.12.2019

Mona Høvring : Weil Venus bei meiner Geburt ein Alpenveilchen streifte

edition fünf - ISBN: 978-3-9820692-2-7 Preis: 19 Euro


Mona Høvring gehört in Norwegen zu den beliebtesten Autor_innen. Für ihren Roman „Weil Venus bei meiner Geburt ein Alpenveilchen streifte“ erhielt sie 2018 den renommierten Kritikerprisen.
Im Mittelpunkt ihrer Erzählkunst stehen zwei Schwestern. In ihrer Kindheit lebten Ella und Martha in wundervoller Symbiose, als Erwachsene gehen sie nun eigene Wege und haben ihr enges Band verloren. Hochallegorisch wird Ella (die andere) als die stille, bescheidene und liebe des Geschwisterpaars gezeichnet während Martha (die Gebieterin) die rigorose, leicht hochmütige und toughere der beiden ist.

Aber Martha wird krank. Nach einem Zusammenbruch soll sie sich auf einer Kur erholen und sie bittet Ella darum, sie zu begleiten. Diese stimmt zu und die beiden machen sich auf, drei Wochen gemeinsam in den Bergen Norwegens zu verbringen. Eine Möglichkeit sich wieder näher zu kommen und die einst so enge Verbindung wieder aufzunehmen?

Märchengleich entwickelt Mona Høvring das Szenario zwischen den ungleichen Schwestern, die in der abgeschiedenen Bergwelt versuchen, ihr Leben neu zu sortieren.  Høvring erschafft durch dieses Setting einen Ort für zwei kraftvolle Protagonistinnen. Und die Dualität des „Gute Schwester-Böse Schwester“- Märchenmotivs wird auf wundervolle Weise gebrochen. Der Ausdruck weiblicher Sexualität ist dabei immer ein Hauptmotiv in Høvrings Schreiben. Von ihrer deutschen Übersetzerin zu ihrem Schreiben befragt klingt das so: „ich versuche immer sie [die Protagonistinnen] in einen sexuellen Seelenfrieden hineinzuschreiben. (…) Ich habe mich entschieden, den Bereich des Sexuellen als eindeutigen Freiraum darzustellen.“ Außerdem bezeichnet Høvring Schreiben für sich als „barmherziges Projekt (…) im Sinne von gnädig und mitfühlend im Hinblick auf alles, was sich im Leben der Hauptpersonen ereignet.“

Ebenfalls den Fokus auf erotisches Erleben setzt Høvring in ihrer ebenfalls exzellenten Novelle „Was helfen könnte“, die das sexuelle Erwachen einer Vierzehnjährigen erzählt. „Weil Venus bei meiner Geburt ein Alpenveilchen streifte“ ist ein unglaublich schönes Buch, reich an Gleichnissen und Sinnbildern, trotzdem so einfach und klar geschrieben.