23.06.2020

Angie Kim : Miracle Creek

Hanser - ISBN: 978-3-446-26630-8 Preis: 22 Euro


Angie Kim spricht in ihrem ersten Roman viele Themen parallel an: die Situation von Migrant*innen in den ländlichen USA (wieviel täglichen Rassismus gibt es?), das Leben von Müttern mit Kindern mit Handicap (wieviel Unverständnis, Hilflosigkeit existiert gegenüber besonderen Verhaltensweisen wie Autismus?); und: wie umfassend ist die „Sorgearbeit“ der Mütter?

Es gelingt der Autorin sehr gut, all diese Themen miteinander zu verweben. Die Frage nach der persönlichen Schuld schwebt über allem.

Ausgangspunkt des Romans ist die Explosion einer Sauerstoffkammer, in der zur Zeit der Explosion drei Erwachsene und drei Kinder im Rahmen ihrer Sauerstoff-Therapie sitzen. Bei diesem Unglück sterben zwei Menschen, drei weitere werden schwer verletzt. Der Ort der Handlung wird dann in das Gerichtsgebäude der nächsten Stadt verlegt, in dem ein Jahr nach der Explosion, der Mutter des getöteten Jungen der Prozess gemacht wird, weil man sie dafür verantwortlich macht, die Brandstiftung herbeigeführt zu haben.

In vielen Rückblicken und durch die Fragen des Staatsanwalts und der Verteidigerin offenbart sich beständig ein Gewirr aus Verschweigen, Vermutungen, Lügen, Schuldzuweisungen und Schuldgefühlen. Langsam und durchaus spannend zeigt sich der echte Tatverlauf.

Es ist ein „leiser“ Thriller, in dem die Überlegungen und Gefühle der Protagonist*innen sich langsam entfalten. Mehrfach zeigt sich, dass das Gegenteil von „gut“ „gut gemeint“ ist. Mit deutlichem Mitgefühl für ihre meist weiblichen Handelnden beschreibt die Autorin das sich entwickelnde Drama. Der Ausblick, „Danach“ betitelt, zeigt für einige der Akteurinnen neue Handlungsmöglichkeiten auf.