21.05.2019

Nell Zink: Virginia

Rowohlt – ISBN: 978-3-498-07672-6 Preis: 22,00 Euro


Peggy Vaillaincourt wurde 1948 als Mittelschichtskind in Richmond, USA geboren, ist weiß und schon immer eine Lesbe. Was macht sie als Lesbe in den 60ern? Sie heiratet den berühmtesten Dichter ihrer Universität, Lee Fleming, einen Schwulen des Establishments. Der Sex ist widererwarten gut und sie zeugen zwei Kinder, Byrdie und Mickie. „Ihr Sexualtrieb war ziemlich ausgeprägt und außerdem aufgestaut, da sie volle fünf Jahre Mädchen betrachtet und daran gedacht hatte sie zu vögeln. Und Lee war auch kein Schwächling“. Leider ist Peggy als ambitionierte Schreiberin von Theaterstücken frustriert, weil sie als Professoren-Gattin auf dem Abstellgleis gelandet ist: Schnittchen machen und Forsythien züchten ist ihr Tagesinhalt. Nach zehn Jahren ist die Ehe im Eimer, Peggy schafft es mit Tochter Mickie abzuhauen, Sohn Byrdie bleibt beim Vater. Für Mickie erschwindelt Peggy die Papiere eines toten schwarzen Mädchens. Fortan leben sie trotz hellblonder Haare inkognito als Schwarze. „Die einzige Möglichkeit, Weiße und Schwarze zwecks Rassentrennung auseinanderzuhalten, bestand in der Ein-Blutstropfen-Regel: War nur einer deiner Vorfahren schwarz – und sei es irgendwann in den Tiefen der Weltgeschichte, angefangen bei Noahs Sohn Ham -, dann warst du es auch.“ Mit neuer Identität als Alleinerziehende in der schwarzen Community in den Sozialbauten von Virginia lernt Peggy eine ganz neue Welt kennen…

Wild, entschlossen und ironisch schreibt Nell Zink ihr Debut „Virginia“. Die gesellschaftlichen Widersprüche der 60er von WASP-Establishment und Arbeiterklassen-Dasein, von erfolgreichem Ehemann und umsorgender Ehefrau, von weiß und Schwarz, hetero und lesbisch, verwebt die Autorin in dieser dunklen Komödie auf rasante Art und Weise zu einem Lese-Trip. Die „New York Times Book Review“ schreibt: „Dieses Buch ist eine wilde Bestie“. Dem ist nichts hinzuzufügen.