13.05.2019

James Baldwin: Nach der Flut das Feuer

dtv- ISBN: 978-3-423-28181-2 Preis: 18 Euro


In diesem Buch werden zwei Essays von James Baldwin  (1924-1987) veröffentlicht.
Beide Essays  „ Mein Kerker bebte“  sowie „ Vor dem Kreuz“ sind 1962 entstanden.
Bei dem ersten Essay handelt es sich um einen Brief, den James Baldwin an
seinen Neffen schreibt. Der  Grund für diesen Brief ist der 100. Jahrestag der Sklavenbefreiung.
Was bedeutet es,  ein „american negro“ zu sein? Warum ist er etwas Besonderes und nicht einfach nur ein Schwarzer, der auch nach Afrika  zurückgehen könnte.? Die Geschichte der Sklaverei kann nicht negiert werden, sie ist Teil des Lebens und sie muss auch jungen Leuten immer bewusst sein. Diese Identitäten sind transgenerational.
Die Fragen sind die gleichen wie heute: Was bedeutet die Hautfarbe?
Wie lebst du, wo findest du einen Platz? Sie haben dich in ein Ghetto gesperrt, aber willst du da bleiben?
Die  eindringlich  geschriebenen Sätze, die niemals Demut propagieren, sondern immer nur den Willen,  für alle Menschen einen Ort – den gleichen – zu finden,  besitzen noch heute große Aktualität. Die Hautfarbe spielt immer/ wieder eine zentrale Rolle. Warum ist das so?  Diese Prägung, die anhand von Hautfarben die Menschen in Kategorien einteilt, besteht  fort.
Baldwin beschreibt die subtilen Unterschiede: die Begegnung zweier Menschen auf der Straße: der eine weiß der andere schwarz. Der weiße Amerikaner schaut vorbei, der schwarze Amerikaner beugt den Kopf. Die Rollen sind verteilt.
Der Essay bietet eine scharfe Form der Auseinandersetzung an, er erinnert an Frantz Fanons „Verdammte dieser  Erde“.  

Im zweiten Essay nimmt Baldwin uns mit auf eine Reise in seine Jugendzeit.
Er erzählt von dem Trick der Religion, wie die Laienprediger versuchen, mit Hilfe des „Herrn“ die Jugendlichen von Verfehlungen abzuhalten. Er selber wird auch Laienprediger, teils weil er sein rhetorisches Talent entfalten will, teils um seinem Stiefvater, ebenfalls Laienprediger, den Platz streitig zu machen. Das gelingt ihm auch, obwohl er der Religion  bald eine klare Absage erteilt.
Die Erkenntnis, dass „Gott weiß ist“, führt ihn auch wieder aus der Kirche hinaus. Es gibt dort keine Liebe, sondern Selbsthass und Verzweiflung, Macht und Indoktrination.  
Diese Erkenntnisse stehen für seine Wahrnehmung in dieser Welt und wie die schwarze community gezwungen ist, in ihr zu leben.
Was Baldwin nicht propagiert, ist die Integration. Der weiße Mensch als Vordenker für alle? Nein!
Die Befreiung aller Menschen fordert James Baldwin.
Für das Selbstverständliche hat Baldwin gekämpft: das Recht auf physische und psychische Unversehrtheit, das Recht, sich politisch äußern zu können, das Recht der Menschen, nicht schuldig zu sein.
Dieser Kampf ist noch lange nicht zu Ende. Für alle Diskussionen um Rassismus und Menschenrechte  stehen die großartigen Bücher von James Baldwin bereit.