30.10.2016

Thees Uhlmann: Sophia, der Tod und ich

Verlag: Kiepenheuer & Witsch - ISBN: 978-3-462-04793-6 - Preis 19,99 EUR


Thees Uhlmann: Sophia, der Tod und ich

Der Tod klingelt an der Tür und sorgt für gehöriges Remmidemmi. Unvorhergesehenes passiert ja nicht so selten. Selten allerdings, dass es klingelt und der Tod höchstselbst vorstellig wird, um den Kandidaten abzuholen. Der etwas antriebsarme Altenpfleger "Ich" öffnet die Tür und die nächsten drei Tage seines Lebens sind mit den existentiellen Fragen des Lebens ausgefüllt - mitunter auf knappe, norddeutsche Weise. Als nach Eintritt vom Tod - Morten de Sarg - auch noch Sophia, Ex-Freundin und couragierte Sozialarbeiterin kommt, ist das Trio perfekt. Perfekt um aufzubrechen, die letzten Dinge zu regeln. Es beginnt ein Roadmovie: der erste Weg führt zur Mutter des Altenpflegers. Die Mutter, hugenottischer Abstammung, nicht auf den Mund gefallen, mit allerlei Ratschlägen und Weisheiten fürs Leben, ist begeistert von der Ankunft dieser "drei" Freunde. Mit Herrn de Sarg flirtet sie geradezu. Aber die Wahrheit muss ans Licht: Kinder sollten nicht vor den Eltern sterben. So bitter das ist, so wenig Zeit auch ist, der letzte Wunsch soll erfüllt werden. Noch einmal möchte "Ich" seinen Sohn sehen - achtjährig -, er hat ihn seit sieben Jahren nicht gesehen. Doch hat er ihm jeden Tag eine Postkarte geschickt. Zu viert geht es auf die letzte Reise - zu seinem Sohn Johnny. Zwischenzeitlich spielt sich ein weiteres Drama ab. Auch der Tod hat Sorgen: ein anderer Tod will ihm seinen Posten abjagen. Einmal taucht er bei der Mutter auf und wird in die Flucht geschlagen. Einmal taucht er bei Johnny im Garten auf und wird endgültig besiegt. Als "Ich" seinen Sohn verlassen muss, haben sie eine anrührende emotionale Ebene gefunden und der Löffel kann abgegeben werden. Beim Übertritt, in welches Reich auch immer, gibt der Tod dem Reisenden noch einen riesigen Stapel Postkarten mit. Ein schönes Buch über das Leben und das Sterben, über Abschied, Trauer, letzte Worte und die Freude am Leben.