18.10.2017

Colson Whitehead : Underground Raildroad

Hanser Verlag - ISBN: 978-3-446-25655-2 - Preis: 24,00


US-amerikanische TouristInnen in Berlin sind überrascht, wenn sie feststellen, dass ein Berliner Wohnquartier und eine U-Bahn-Station nach “Onkel Toms Hütte” benannt wurde. Die - in Teilen - beschönigende Darstellung der Sklaverei bei Harriet Beecher Stowes Klassiker aus dem Jahre 1853, die Unterwürfigkeit mit der sie die SklavInnen beschreibt, deren „gute Behandlung“ durch die Herren - all diese Ausflüchte finden sich in Colson Whiteheads Anti-Sklaverei-Roman „Underground Railroad“ nicht. Im Gegenteil, die LeserInnen werden bei Whitehead mit der ganzen Monstrosität des Systems Sklaverei konfrontiert, das ungeheuerliche Leid der Menschen wird plastisch.

Colson Whitehead beschreibt die Hölle der jungen Cora, deren Großmutter aus Afrika verschleppt wurde, und die nun auf einer der unzähligen Baumwollplantagen bestialisch behandelt wird. Cora erfährt eines Tages von der sogenannten „Underground Railroad“, einem versteckten, gigantischen Tunnelsystem, das die Flucht in den Norden ermöglichen soll. Eine Falltür führt sie in den Untergrund, die Odyssee in die vermeintliche Freiheit beginnt …
Kunstfertig lässt Whitehead uns am Schicksal der mutigen Cora teilhaben und entwickelt dabei seine eigene literarische Stimme. Den heutigen Rassismus in den USA im Blick, liest sich „Underground Railroad“ bitterböse. Whitehead legt den Finger in die US-amerikanische Wunde und erzählt fantastisch, was es hieß - und heute noch heißt - in Amerika schwarz zu sein.

Underground Railroad wurde mit dem Pulitzer Prize 2017 und dem National Book Award 2016 ausgezeichnet