12.06.2017

Toni Morrison : Gott, hilf dem Kind

Rowohlt Verlag - ISBN: 978-3-498-04531-9 - Preis: 19,95


Toni Morrisons neuer Roman beschäftigt sich erneut mit der Situation schwarzer Menschen in den USA. Sweetless, eine junge, sehr hellhäutige Afroamerikanerin, bekommt ein Kind, ein Mädchen mit sehr dunkler Haut: „mitternachtsschwarz“. Ihr Entsetzen ist groß, sie weiß um den  allgegenwärtigen Rassismus, denen schwarze Menschen ausgesetzt sind. Und sie weiß, sie möchte so ein Kind nicht. Kurz überlegt sie, das Mädchen auf einer Kirchentreppe abzulegen. Der Vater des Kindes - auch er hellhäutig - glaubt nicht, dass Lula Ann seine Tochter ist. Die Beziehung zerbricht - der Vater ist weg.
Immer in Distanz zu ihrer Tochter wird Lula Ann streng erzogen. Sweetless ist in einer Dienstbotenfamilie groß geworden und weiß, was es heißt, mit Diskriminierung und Rassismus umzugehen. Auch, wie man sich möglichst unsichtbar macht. Lula Ann geht andere Wege. Sie wächst heran zu einer wunderschönen schwarzen Frau – sie macht sich auch dadurch sichtbar, dass sie nur weiße Kleidung trägt. Sie ändert ihren Namen, sie nennt sich nun Bride. Sie bemerkt, dass sie auffällt, mit Befremden und auch mit großem Begehren wird sie betrachtet. Die Kosmetikindustrie ist ihr Metier, dort macht sie Karriere, verdient sehr viel Geld.
Als ihre zerstörerische Beziehung zu einem Mann scheitert, macht sie sich auf die Suche nach ihm. Auf dieser Reise lernt sie Rain kennen, ein Mädchen mit einer sehr düsteren Geschichte. Bride nimmt die Bitterkeit verletzter Kindheiten in sich auf und ist zornig über die fehlenden Verantwortungen und über diverse Diskriminierungen.
Die Protagonistinnen Sweetless, Bride und Rain geben sich im Buch die Klinke in die Hand, um ihre Geschichte zu erzählen. Dazwischen drängeln sich ein paar Menschen, für den Roman ebenso wichtige Personen, die auch zu Wort kommen wollen.

Der viel beschworene magische Realismus schwebt über dem gesamten Roman, macht sich aber besonders deutlich in den körperlichen Veränderungen, die Bride erlebt, als ihr Liebhaber ihr sagt, „du bist nicht die Frau...“ und sie verlässt.

Ein Roman über Verantwortung, Respekt und den allgegenwärtigen Rassismus. Sinnlich, weiblich und konkret erzählt. Ein sehr empfehlenswertes Buch, bei dem man inne hält, um bestimmte, oft ganz zarte Beschreibungen von Situationen noch mal zu lesen, weil sie so eindringlich geschrieben sind.