28.11.2016

Carolin Emcke: Gegen den Hass

Verlag: Fischer - ISBN: 978-3-10-397231-3 - Preis: 20,00 Euro


Carolin Emcke: Gegen den Hass

Hass werde gemacht. Hass sei nicht einfach da. Er entstehe nicht plötzlich, genauso wenig, wie Gewalt sich nicht aus dem Blauen heraus entladen würde. Carolin Emcke stellt die zentrale Frage, welche Strukturen wirken, die Hass generieren. Welche rhetorischen Strategien werden benutzt, die Hass festsetzen und in den Menschen ablagern?
In ihrem Essay „Gegen den Hass“ versucht sie diese Fragen mit Blick auf die Entwicklungen um die Neue Rechte und den islamischen Terrorismus zu beantworten. Emcke nähert sich als promovierte Philosophin dem Phänomen des Hasses über Analysen zum Begriff der Liebe und anderen Emotionen wie der Hoffnung und der Sorge. Emcke kritisiert, dass „die Sorge“ zurzeit Hochkultur hat und es sich bei der Sorge des „besorgten Bürgers (dem AfD-Wähler, dem Pegidist etc.)“ tatsächlich um „ummantelnden Hass“ handelt. „Als seien Sorgen an sich schon ein triftiges Argument in einem öffentlichen Diskurs – und nicht bloß ein Affekt, der berechtigt oder unberechtigt, angemessen oder unangemessen, vernünftig oder übertrieben sein kann“.
Emcke schaut sich zwei Szenen des Hasses ganz genau an, zum einen „Clausnitz“, die Szene, als der wütende Mob „besorgter Bürger“ die Geflüchteten darin hindern wollte, aus einem Bus auszusteigen. Zum anderen analysiert sie die tragische Szene von „Staten Island (USA)“, in der der Afroamerikaner Eric Garner durch weiße Polizisten, die ihm die Luft abschnürten, zu Tode kommt. In diesen genauen Beschreibungen liegt eine ihrer großen Stärken als Journalistin. Emcke analysiert, dass Menschen in diesen Szenen nicht als Menschen gesehen werden, sondern als etwas Unsichtbares oder Monströses. Nur so könne sich der Hass entladen. Die Ausprägungen des Hasses lösen Entsetzen aus. Emcke fragt: wo wäre der Punkt gewesen, an dem sich der Hass hätte stoppen lassen? Wo hätte jemand „einschreiten, wo jemand aussteigen können“?
„Gegen den Hass“ ist ein Plädoyer dafür, mit Mut dem Hass zu widersprechen und mit Leidenschaft der gesellschaftlichen Vielfalt zu begegnen. So könne dem nationalistischen und religiösen Extremismus etwas entgegen gesetzt werden. Carolin Emckes Argumentation überzeugt.