28.11.2016

Matthias Brandt: Raumpatrouille. Geschichten

Kiepenheuer & Witsch - ISBN: 978-3-462-04567-3 - Preis: 18,00 EUR


Matthias Brandt: Raumpatrouille

14 Erzählungen legt Matthias Brandt vor, 14 Texte, in denen er von seiner Kindheit erzählt, einer Kindheit in der Bonner Republik der 70er Jahre. Bonn-Venusberg ist für heutige Verhältnisse ein beschaulicher Ort, in dem sich die Sicherheitsleute eher mit Kurzschlüssen in der elektrischen Leitung beschäftigen als mit politischen Attentatsversuchen. Beruf des Vaters: Bundeskanzler.

Raumpatrouille ist ein eher leises Buch. Ein Junge mit seinem Hund berichtet von den Menschen, die seine Kindheit begleiten. Da ist der Herr Vianden, der Postbote, der im Kind den Wunsch hervorruft Postbote zu werden. Als Besitzer einer Briefmarkensammlung – ein schönes Hobby, aber auch Ausdauer erfordernd – könnte er eine Verbindung zu Herrn Vianden herstellen, auch um der Hobbylangeweile zu entkommen. Der Nachbar heißt Herr Lübke, dort wird Kakao gereicht, wenn Matthias zu Besuch kommt. Ein freundlicher Mann, wenngleich nicht sehr unterhaltsam – es sind wohl seine letzten Jahre. Und ein sehr schöner Text: Fahrradfahren mit Herrn Wehner, einem wohl etwas griesgrämigen Arbeitskollegen des Vaters. Da hat es anscheinend Unstimmigkeiten gegeben, Versöhnung soll wohl medienwirksam inszeniert werden: der Junge fährt mit. Aber der Vater ist des Radfahrens nur in geringem Umfang mächtig. Allein das Aufsteigen und Losfahren wird zur Zitterpartie.

Auf dem Umschlag des Buches sieht man einen Jungen im Astronautenanzug mit einem Hund auf einen See schauend. Auch der Astronautenanzug ist Teil eines Textes. Die Mondlandung 1969 ruft in ihm ganz den Wunsch hervor, Astronaut zu werden. Den Astronautenanzug kauft er sich für Neunzehn Mark neunzig - eigentlich war das Geld für Schulbücher gedacht. Aber Berufskleidung ist wichtig zur Identifikation. Wir wissen, auch daraus ist nichts geworden.

Es ist auch eine einsame Kindheit. Eine Kindheit, in der typische Kinderfragen auftauchen: bin ich ich oder doch eher wer anders.

Im letzten Text eine wunderbare Begegnung zwischen Vater und Sohn. Und so ist es auch: eine Hommage an den Vater.

Sehr empfehlenswert dazu, die CD Memory Boy von Jens Thomas. Ein Musiker, mit dem Matthias Brandt schon häufiger zusammen gearbeitet hat – das hört man auch.

Diesen so eigenen Raum der Kindheit kennt jede und jeder und so kann das Buch Erinnertes und Neues zugleich offenbaren.

Auf jeden Fall ein schönes, sehr lesenswertes Buch.