30.10.2016

Michael Köhlmeier: Das Mädchen mit dem Fingerhut

Verlag: Hanser - ISBN: 978-3-4-6-26055-0 - Preis: 18,90 EUR


Michael Köhlmeier: Das Mädchen mit dem Fingerhut

Das Buch von Michael Köhlmeier “Das Mädchen mit dem Fingerhut“ ist ein stilles Buch und doch voller Dramatik. Geschrieben in kurzen Sätzen und sachlichem Ton. Es geht um drei Kinder, die Hauptperson ist Yiza, das Mädchen. Sie wird vom Onkel zum betteln auf den Markt geschickt in einer nicht näher bezeichneten Stadt in Europa. Am Morgen bringt er sie und am Abend holt er sie wieder ab. Eines Abends kommt er nicht und für Yiza beginnt ein neuer Lebensabschnitt: sie muss sich allein durchschlagen. Sie sucht nach essbarem und Schlafmöglichkeiten. Jemand nimmt sie auf und will sie der Polizei übergeben, aber kaum spricht jemand das Wort Polizei aus, beginnt das Kind zu schreien. Sie geht immer wieder weg. Eines Tages wird sie aufgegriffen und in ein Heim gebracht. Man spricht dort ihre Sprache nicht und eine Erzieherin erklärt dieses Kind zu ihrem Lieblingskind, es ist so einfach - ohne Sprache. Im Heim lernt Yiza zwei Jungen kennen, Arian und Schamhan. Sie fliehen gemeinsam und sehen nur den nächsten Tag. Der ältere Junge ist eine Art Bindeglied zwischen den zwei Kleineren, er spricht ihre jeweilige Sprache. So bekommt er einen Art Dolmetscher Funktion – er wird zum „Bestimmter“. Aber nicht für lange Zeit. Wieder aufgegriffen und zur Polizei gebracht können die beiden Kleineren fliehen. Wieder leben sie zwischen Müll und Absteigen, bis sie ein Gewächshaus finden. Yiza wird krank, die Gewächshausbesitzerin entdeckt sie und pflegt sie gesund. Sie will das Mädchen behalten, es ist niedlich. Aber die Kinder fliehen wieder, unter dramatischen Umständen. Sicher ist dieses Buch auch eine Metapher über die derzeitige Situation der Geflüchteten, aber sie ist auch ein Märchen und im Märchen geht es sehr oft sehr böse zu. Aber es ist auch ein Roman über Liebe und Freiheit. Ein Buch, dass lange im Gedächtnis bleiben wird. Eine Botschaft könnte im jedem Fall sein: wenn du etwas Gutes tun willst, halte für einen Augenblick inne und überlege, ob dein Gegenüber das auch als „gut für Ihn/sie“ empfinden würde.