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Koch, Herman: Sommerhaus mit Swimmingpool
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Kiepenheuer und Witsch
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978-3-462-
04344-0
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19,99 EUR
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Im neuen Roman von Herman Koch
Sommerhaus mit Swimmingpool kommt der Hauptdarsteller zunächst daher wie jemand,
dem kein menschlicher Abgrund fern ist. Marc Schlosser ist Hausarzt und kennt die
psychischen und physischen Wehwehchen der Menschen. In Selbstreflexionen begleiten
wir ihn in seine Praxis, bis eine plötzliche Irritation auftritt: einer seiner
Patienten ist gestorben und Schlosser soll sich vor der Ärztekammer verantworten.
Was ist passiert: in der Rückschau wird nun die Beziehung zweier Paare seziert, bürgerliche und
gesellschaftstüchtige Existenzen. Der Tote Ralph Meier war Schauspieler. Das Ehepaar Meier lädt
den Hausarzt samt Familie in sein Sommerhaus ein: Eine zarte Erotik liegt über der Begegnung der
Paare. Im Verlauf des Romans bröckelt die bürgerliche Fassade und Abgründe tun sich auf.
Der Roman hat in seiner Erzählstruktur durchaus Elemente eines Krimis und hat man zu lesen
begonnnen und sich auf diese subtile Art der Schreibens eingelassen, kann das Buch leider
nicht mehr aus den Händen gelegt werden.
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Schalansky, Judith: Der Hals der Giraffe
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Suhrkamp Verlag
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978-3-518-42177-2
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21,90 EUR
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Böse, böse, böse. Drei Tage Leben aus Sicht
der Inge Lohmark, einer Biologielehrerin ganz alter Schule. Judith Schalansky (Jahrgang 1980)
gelingt in "Der Hals der Giraffe" ein böser, aber urkomischer Ton. Inge Lohmark lehrt seit
dreißig Jahren an der gleichen Schule und hasst Kinder. Ihre eigenen Schüler und Schülerinnen
im Besonderen. Sie sind ihr ein Dorn im Auge. Sie stören den Unterricht, fressen Aufmerksamkeit
und werden immer dümmer. Für Inge Lohmark sind ihre 9-KlässlerInnen Wesen vom anderen Stern.
Pubertäres Vieh auf das sie herabblickt. Jedes Schuljahr hat sie die immer gleichen Rollen zu
besetzen. Inge Lohmark offenbart uns den Sitzplan ihrer 9.Klasse: "Laura Verwachsener, farbloser
Pony über den Schlupflidern. Traniger Blick. Pustelige Haut. Ambitions- und interessenlos.
Unauffällig wie Unkraut". Oder "Kevin Unsauber und aufschneiderisch. Löchriger Oberlippenflaum,
talgblühendes Gesicht. Stupide, aber fordernd - die schlimmste Kombination". In der ersten Reihe
"Annika Brauner Zopf, langweiliges Gesicht. Überambitioniert. Freudlos und bienenfleißig.
Vortragsgeil. Klassensprecherin seit der Geburt. Anstrengend". Judith Schalansky feierte ihr
literarisches Debüt mit ihrem Matrosenroman "Blau steht dir gut". 2010 wurde sie für ihren "Atlas
der abgelegenen Inseln" mit dem 1. Preis der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet. Ihr neustes Werk
"Der Hals der Giraffe" ist das perfekte Geschenk für Lehrerinnen oder für Menschen, die sich mit
Schaudern und Entsetzen an ihre eigene Schulzeit erinnern.
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Resch, Christine; Steinert,Heinz: Kapitalismus: Porträt einer Produktionsweise
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Westfälisches Dampfboot
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978-3-89691-683-9
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24,90 EUR
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Portrait einer Produktionsweise,
der Untertitel trifft genau.
Portraitiert werden die verschiedenen Weisen der Produktion seit der Entwicklung des
Kapitalismus. Der Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus, der Industriekapitalismus, der
Fordismus und im heutigen der Neoliberalismus. Durch die Beispiele verdeutlichen sich die
jeweiligen Gleichzeitigkeiten der Produktionsweisen. Auch wenn der Beitrag zum Patriarchat
fast nur dichotomische Kategorien aufweist, ist dieses Buch lesenswert für alle, die auf
fundiertes Wissen setzen, auch um die heutige Finanzkrise zu verstehen.
Ursprünglich als Vorlesungsmanuskript gedacht, bietet das Buch einen guten Einstieg in den
Ursprung, die Grundstruktur und Varianten der kapitalistischen Produktionsweise.
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Genazino, Wilhelm: Wenn wir Tiere wären
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Hanser Verlag
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978-3-446-23738-4
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17,90 EUR
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Und wieder stolpert ein Mann in den
mittleren Jahren durch sein mittelmäßiges Leben. In gewohnter sprachlicher Präzision
erzählt Wilhelm Genazino die Geschichte eines "freien" Architekten.
Mit verwunderten Blicken auf das, was um ihn herum passiert, verfängt er sich in den Fallstricken,
die das moderne Leben für all diejenigen bereit hält die nicht alles für Errungenschaften halten.
Was der Mensch im 21. Jahrhundert so anstellt im Leben: z.B. Urlaub machen.
Durchaus nicht abgeneigt, den Argumenten anderer Menschen Anerkenntnis zu zollen für von ihm nie
Gedachte. Aber gleichzeitig unbeugsam in der Übernahme ihrer Lebensweisheiten.
Man muss diese sprachliche Präzision mögen die Genazino so gut beherrscht, diesen Blick auf eher
Nebensächliches.
Die Geschichte des neuen Buches "Wenn wir Tiere waren", birgt kein wirklich neues Geschehen.
Jeder Protagonist in Genazinos Büchern schlägt sich mit mindestens zwei Frauen rum, die er wegen
"gutem Sex nicht verlassen kann. Aber deren Weltsicht, die in den berühmten "Beziehungsgesprächen" zu Tage kommen, sind seine Sache nicht.
Nur sehr selten und in aberwitzigen Schlenkern kann er dem Leben Heiteres abgewinnen, aber diese
Momente sind nur von kurzer Dauer.
Aber, wenn man solche Sätze wie den folgenden mag, dann ist Genazino als Lektüre richtig:
"Die Häuser lösten nur bei wenigen Menschen einen Bleibewunsch aus".
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Donoghue, Emma: Raum
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Piper Verlag
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978-3-492-
05466-9
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19,99 EUR
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"Raum". Ein Fünfjähriger und seine Mutter
sind eingesperrt in ein zwölf Quadratmeter großes Zimmer, über Jahre. Das klingt wie Stoff
für einen Betroffenheits-Thriller, der unseren Voyeurismus befriedigt, Täter-Opfer-Perspektiven
reproduziert und Grusel vor grausamen Schicksalen schürt. Ein Beklemmungsgefühl stellt sich beim
Lesen auch ein, wird aber schnell von anderen Eindrücken überlagert: Der fünfjährige Jack ist ein
wunderbarer Erzähler, der uns in seine inneren Welten entführt. Für ihn ist die Enge von "Raum"
seine Wirklichkeit, er kennt keine andere, erfährt erst später, dass es ein "Draußen" gibt. Jack
liebt seine "Ma", er vergöttert seine "Freunde", die Cartoonfiguren aus dem Fernsehen, er hat
eine persönliche Beziehung zu "Fernbedingung", "Tisch", "Schrank". "Raum" ist die Geschichte
einer grausamen Entführung, aber auch die Geschichte über die Entwicklung von Kindern,
fantastischer Imaginationskraft, großer Mutterliebe und starkem Lebenswillen, geschildert mit
der kraftvollen Sprache des herzerwärmenden Jacks. Die Leserin erwartet viele Wendungen und ein
Happy-End.
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Pineiro, Claudia: Der Riss
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Unionsverlag
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978-3-293
300431-3
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19,90 EUR
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Seit zwanzig Jahren sitzt Pablo Simó
im selben Architekturbüro und schafft den Absprung nicht. Ebenfalls zwanzig Jahre
dauert seine Ehe mit Laura, mit der ihn nurmehr die Gewohnheit und die gemeinsame,
pubertierende Tochter verbindet. Als unerwartet eine junge Frau ins Büro kommt und
nach Nelson Jara fragt, enthüllt sich allmählich ein Geheimnis, in das Simó ebenso
verwickelt ist wie sein Chef und eine Arbeitskollegin. Das aufgetauchte Mädchen
bringt das prekäre Gleichgewicht von Simós Leben ins Schwanken. Und eine nach der
anderen entgleiten ihm die Gewissheiten, die ihn bis zu diesem Augenblick getragen
haben.
Aus Krimi-Couch.de
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Lunapark 21: Zeitschrift zur Kritik der globalen Ökonomie
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5,50 EUR
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Im Frühjahr 2008 wurde die erste Nummer von Lunapark
herausgegeben. Diese Zeitschrift kommt aus dem attac-Umfeld, ist dem marxistischen
Spektrum zuzuordnen, hat aber auch feste MitarbeiterInnen, die links-
gewerkschaftlich orientiert sind sowie feministische Kritikerinnen
wie Gisela Notz oder Christa Wichterich. Hervorzuheben sind die leicht verständlichen Analysen (welt-)wirtschaftlicher Vorgänge und Hintergrundberichte.
Ausserdem ist die Zeitschrift formal sehr gelungen. Der Text erscheint
zwei- oder dreispaltig, Anmerkungen werden farblich abgesetzt, Bilder sind inhaltlich auf die Texte abgestimmt. Werbung wird sehr zurückhaltend eingesetzt.
Im aktuellen Heft Sommer 2011 liegt der Schwerpunkt auf der Atompolitik.
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Mika, Bascha: Die Feigheit der Frauen, Rollenfallen und Geiselmentalität
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Bertelsmann Verlag
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978-3-570-
010070-7
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14,99 EUR
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Mika hat viele Frauen interviewt, deren
Lebensgeschichte für sie in eine bestimmte Richtung weist: sie alle sind rückfällig
geworden. Zurückgefallen in alte Rollenmuster:
da ist die gut ausgebildete Frau, die im Liebessog ertrinkt und deren Autonomie und berufliche
Selbstverwirklichung ins Wasser fällt, da ist die Frau, die ihrem Freund zuliebe "geile" Fotos
von sich machen lässt, die sie anschließend im Web betrachten darf, da ist die, die am Kümmersyndrom
leidet und da ist die, die der heutigen Modelzucht anheim fällt und der nichts wichtiger ist als
gut aussehen!
Klar ist, dass klassische Männer und Frauenrollen heutzutage nicht nur eine Offerte sind, sondern
auch einem starken gesellschaftlichen Druck unterliegen, so viel räumt Mika ein. Wenn allerdings
eine ganze Industrie von der Angst der Frauen in Sachen Männer zu versagen lebt, dann ist mit den
Frauen etwas komplett schief gelaufen.
Mika recherchiert in ihrem Buch alles, was die Gesellschaft zu bieten hat an Fallstricken: von
den rosa Prinzessinnen bis zur Frau mit Projektkind und laut Mika sind sie alle selber schuld:
Was machen sie nur:
Sie machen folgendes: Liebe romantisieren - Paarbeziehung überfrachten - Konflikte ignorieren
Feigheit erliegen - Der Bequemlichkeit nachgeben - Den alten Rollenmustern folgen - Dem
Selbstbetrug frönen - Die Selbstbestimmung aufzugeben - Sich unterwerfen
Der Begriff Pop Sachbuch trifft hier gut: ein leicht lesbares Buch, deren Protagonistinnen sicher
schon jeder Frau über den Weg gelaufen sind und doch bleibt es beim deskriptiven! Der Titel "Die
Feigheit der Frauen" ist nicht dumm gewählt, hat er doch schon mal zur Folge, dass die
europäische, weiße Mittelschichtsfrau gleich weiß: ich bin gemeint, ich hab es nicht geschafft,
ich bin ein weinerliches Weibchen welches nach einem Versorger sucht, für ein bisschen Liebe mit
Kuschelfaktor tu ich alles.
Die in der Frauenbewegung proklamierte "Freiheit der Frauen" gegen die "Feigheit der Frauen"! Und
Bascha Mika bezieht sich auf die Frauen der Frauenbewegung der 80er Jahre, die den Aufstand
probten gegen die alten Muster! Nur liegt die "Freiheit der Frauen" nicht allein im beruflichen;
erfolgreich Karriere machen wollen viele Frauen nicht - aber dafür gibt es zahlreiche Gründe.
Ein wichtiger Grund scheint mir folgender zu sein: wenn frau heute Karriere macht - wo auch
immer - wird sie mit dem old-boy-network wie es heute heißt konfrontiert. Und es sind diese
Strukturen, die viele Frauen bewusst oder unbewusst ablehnen. Es ist nicht nur ein steter Quell
der Freude, im Hamsterrad der kapitalistischen Ökonomie rumzutrampeln. Die Konservativität des
Buches fällt erst beim zweiten Lesen auf und die Begrenztheit der vorgeschlagenen Lebensentwürfe
ebenso. Aber, und da hat Bascha Mika sicherlich recht: "Wir nutzen das System als Ausrede, um
nicht auf uns selbst schauen zu müssen, Auf unseren Anteil an der Geschichte."
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Walter, Natasha: Living Dolls. Warum junge Frauen heute lieber schön als schlau sein wollen
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Krüger 2011
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978-3-8105-
2377-8
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19,95 EUR
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Eins vorweg: Der englische Untertitel
lautet: The return of Sexism, das trifft den Kern weitaus besser als die deutsche
Untertitelung!
Walter fragt sich, warum und seit wann rosa=Puppe=Mädchen und blau=Schwert=Junge Synonyme sind
und wie sind wir da wieder hin gekommen sind. Ihr Untersuchungsgegenstand sind junge Mädchen und
Frauen. Der erste Teil des Buches befasst sich mit all den Orten, an denen ein aggressives
"Rosa-Puppen-Modell implementiert wird ob es die, heutzutage in Jungen und Mädchen, eingeteilten
Spielwarenabteilungen großer Kaufhäuser sind oder die Glamour-Model-Show: Walter geht hin und
schaut sich alles an.
Der zweite Teil des Buches befasst sich mit dem neuen Determinismus, der auf biologische Fakten
setzt: alles hormonell und genetisch bedingt. Sie beschreibt in diesem Kapitel das Heer der
Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die alle dem ewigen Reigen "Mädchen sind so, Jungen
sind so" anhängen. Wissenschaft neigt ja ohnehin dazu, Dinge zu vereinfachen, um sie verifizieren
zu können - und vereinfacht wird viel. Das lässt Kindern und Jugendlichen oft kaum andere
Möglichkeiten der Entwicklung, als die, die landläufig vorgesehen sind. Walter konstatiert den
Rückschritt in alte Rollenmuster auf allen Ebenen. Dramatisch findet sie es, dass die Frauen und
Mädchen sich heute freiwillig einer ästhetischen Monokultur unterwerfen und das oft unter dem
Deckmantel der Emanzipation. Die Frauen machen sich selber zu Objekten.
Ein gut lesbares, interessantes Buch, aber, die kleinen Lichtblicke am Ende des Buches stimmen
eher wehmütig, Wenn schon Aufkleberaktionen gewürdigt werden…! Was wir vielleicht eher brauchen
ist eine andere Kultur, die nur mit der Selbstermächtigung von Frauen und Mädchen funktioniert!
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Altaras, Adriana: Titos Brille. Die Geschichte meiner strapaziösen Familie
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Kiepenheuer & Witsch
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978-3-462-
04297-9
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18,95 EUR
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"Titos Brille. Die Geschichte meiner
strapaziösen Familie", das autobiographische Buch der 1960 in Titos Jugoslawien
geborenen Regisseurin Adriana Altaras hat mich begeistert. Strapaziös ist eine
schönere Beschreibung als "anstrengend, beschwerlich"; lässt ihr mehr Raum für
liebevolle Interpretation. Ja, ihre Familie ist ihr bisweilen anstrengend, aber
vielmehr schildert Adriana Altaras die Strapazen, die ihre Eltern und die wenigen
Verwandten, die als deutsche Juden den Holocaust überlebt haben auf sich nehmen
mussten. Die Enttäuschung ihres Vaters über das antisemitische Kroatien nach Tito,
die Demütigung ihrer Mutter, um deutsche Papiere betteln zu müssen - trotz deutscher
Abstammung. "Man hätte doch diesen gebeutelten Nachkriegskreaturen allein aus
Dankbarkeit, dass sie überhaupt wieder deutschen Boden betraten, die Staatsbürgerschaft
hinterher tragen müssen! Sie großzügig einladen, sie auf Knien bitten, in Deutschland zu
bleiben (...). Ich schäme mich so sehr. Und ich koche vor Wut.". In atemberaubendem Ton
verflechtet Altaras ihre persönliche Familiengeschichte mit den politischen Ereignissen des
20. Jahrhundert. Sie sitzt vor den Nachlasskisten ihrer Eltern und verzweifelt fast: "Alle
möglichen Dinge kamen zum Vorschein und tun es noch. Geheimnisse, Neurosen, Müll". Altaras
rekapituliert ihre distanzierte Beziehung zu ihrer Mutter, Architektin, die unerbittlich
den Aufbau der jüdischen Gemeinde Gießen vorantreibt. Denkt über ihren Vater nach,
charismatisch, honorierter Arzt und Wissenschaftler, dessen Geliebten sich posthum bei
Altaras melden und Aufmerksamkeit brauchen. Parallel meistert sie ihren rasanten Berliner
Alltag als Regisseurin, Familienfrau. Das Schauspielfach hat sie hinter sich gelassen. "Zu
ausländisch für das deutsche Theater" sei sie und immer die Rolle der migrantischen Putzfrau -
wegen der dunklen Haaren und Augen - wollte sie nicht mehr. Sie reist in der Weltgeschichte
umher, nach Israel, zu emigrierten Verwandten nach Miami. Versucht die wenigen zusammenzuführen,
die noch übrig geblieben sind nach der Ermordung der meisten Verwandten in Auschwitz. Die
Mischung zwischen Wärme und bösartigem Witz macht "Titos Brille" zur äußerst kurzweiligen Lektüre.
Adriana Altaras entführt uns in die Seele ihrer Familie. Frei von der Leber weg kritisiert und
polemisiert sie und lässt die Leser_in teilhaben an ihrer inneren Auseinandersetzung als
Nachkomme von Holocaust-Überlebenden. "Erst stirbt mein Vater, kurz danach meine Mutter. Nun gut
das kommt vor. Dann benötigt Hessen 48 Stunden, um den Tod festzustellen, während die Juden
überhaupt nur 24 dafür gestatten. Raffi behauptet ja, es sei nicht einfach, als Jude in
Deutschland zu leben. Ich finde, als Jude in Deutschland zu sterben, viel mühsamer."
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Witte, Tania: beziehungsweise liebe
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Querverlag
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978-3-89
656-1855
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18,00 EUR
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Im Jahre 2012 braucht sich
die "queere Szene" Berlins nicht mehr hinter den vermeintlichen
Metropolen London und San Francisco zu verstecken. Das wird nicht der
Grund für Tania Witte gewesen sein, ihren Erstlingsroman "beziehungsweise
liebe" in der Spree-Metropole anzusiedeln, sondern eher ihr eigener queerer
Blick als Wahlberlinerin. Sieben Frauen und einen Mann lässt Tania Witte leben,
lieben, hoffen und suchen. Sie erschafft eine Welt aus polyamourösen
Beziehungen und Kinderwünschen, Verbindlichkeit in der Liebe und
unverbindlichem Sex auf queeren Sex-Parties. "Alles in Berlin ist irgendwie
dazwischen. Klarheit kann man suchen, findet sie aber nicht. Stattdessen läuft
man kontinuierlich Gefahr, sich in all den diesigen Dazwischens zu verlieren".
In diesen "Dazwischens" bewegen sich die acht Protagonist_innen, deren
Beziehungsalltag Tania Witte rasant portraitiert. Da gibt es Johanna, die
erfolgreiche Geschäftsfrau, die ihr SM-Coming-out mit der toughen Tekgül hat, die
wiederum in einer verbindlichen Beziehung mit Marte liebt und sagt: "Meine Nacktheit
gehört Marte". Tekgüls Freundin Marte ist schwanger - von Clemens, der hetero lebt,
ein Kind will aber keine Frau dazu. Nicoletta, Johannas beste Freundin, lebt eine
heiße Affäre mit der Transfrau Liza. Dann ist da noch "Sandyunmanu", das
symbiotische Pärchen, das uneingeschränkt glücklich scheint: "Je mehr die Lieben
der anderen in die Brüche gehen, umso mehr wundert sich Manu, wie gut sie sich mit
Sandy fühlt. Es gibt Streit, aber keine Dramen. Es gibt Unterschiede, aber kein
Unverständnis, Toleranz aber kein Desinteresse. Es gibt guten Sex, und wenn es
anderswo noch besseren gäbe, interessiert Manu das nicht." Ein flott zu lesender
Großstadtroman, der uns die Rastlosigkeit des queeren Berliner Liebestreibens vor
Augen führt. Ja, genauso wird es sein mit der queeren Liebe in Berlin!
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Annabees Beste im
Februar 2012
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